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21.05.19 - Kategorie: Neues von ZEIT FÜR MENSCHEN

Dem Mörder auf der Spur


An 'nem schönen blauen Sonntag liegt ein toter Mann am Strand und ein Mensch geht um die Ecke den man Mackie Messer nennt. 

Die Feuerbacher Stiftung Zeit für Menschen besucht das Polizeimuseum in Stuttgart und ermittelt erfolgreich.

„Ja, der Haifisch, der hat Zähne“, so fängt das bekannte „Mackie-Messer-Lied“ aus der Dreigroschen Oper an, doch echte Kriminalkommissare können von Verbrechen und Verbrechern ein ganz anderes Lied singen! Rainer Giese, seines Zeichens Erster Kriminalhauptkommissar a.D., lange Jahre Leiter des Dezernats Organisierte Kriminalität, und auch zuständig für illegales Glücksspiel sowie für die Pressearbeit des Innenministeriums, führte die Stifterinnen und Stifter der Feuerbacher Stiftung Zeit für Menschen in einer exklusiven Führung durch das Polizeimuseum Stuttgart. Und: wie gesagt, er konnte so manche Sing-Stunde des einen oder anderen Verbrechers zu Gehör bringen. Das Polizeimuseum Stuttgart, ausgezeichnet als das am besten privat geführte Museum im Ländle, präsentiert die Kriminalgeschichte Stuttgarts über Jahrhunderte hinweg. Spektakuläre Verbrechen, die die Stuttgarter noch heute kennen und über die sie nur raunend sprechen, wie 1910 der Mord an der Opern-Diva Sutter, sind hier in eindrucksvollen Themeninseln präsentiert. Es gibt Einblicke in die Techniken der Tatortarbeit und der Spurensicherung. Apropos‚ ‘Tatort‘… „ Ein echter Kriminaler arbeitet völlig anders als die Kommissare am Sonntagabend im Fernsehen. Ich kann mir das nicht angucken“, versichert Giese, der seit einem Jahr nunmehr außer Dienst ist. 

Doch irgendwie hat er damals, als die Polizei noch im historischen Hotel Silber am Charlottenplatz untergebracht war, und er als Kriminalanwärter anfing, im wahren Wortsinn Blut geleckt. Denn das Kriminalistische lässt den Ex-Kommissar nicht los. Mit engagiertem Einsatz und verdächtigen, bislang unbekannten Details würzt er die Führung durch das 250 Quadratmeter große Museum. Zum Polizeihistorischen Verein Stuttgart, der das Museum unterhält, zählen insgesamt 250 Mitglieder. Ein Großteil davon ehemalige Polizisten, von denen sich viele ebenfalls der Aufgabe widmen, Interessierte durch das Museum zu führen. Auch Kriminaldirektor Martin Rathgeb bereitet sich auf seine Rolle als Museumsführer vor und das, obwohl er noch Leiter des größten Stuttgarter Polizeireviers in Vaihingen ist. Er erzählt, dass er bei den so genannten „Hammermorden“, die ein Polizist 1984 bis 1985 im Raum Ludwigsburg und Stuttgart verübte, aktiv an der Spurensicherung beteiligt war. Der damalige Täter konnte durch das Ergebnis des ballistischen Fingerabdrucks überführt werden. Denn jede Munition, die durch den Lauf eines Revolvers oder einer Pistole gepresst wird, hinterlässt ein unverwechselbares und eindeutig zuordenbares Rillenmuster. Damals ergab die kriminaltechnische Untersuchung, dass es sich bei der verwendeten Munition um eine Polizeiwaffe handeln muss.Dies führte schließlich dazu, dass sämtliche Pistolen, insgesamt 12?000, aus den Zuständigkeitsgebieten der Polizeidirektionen Stuttgart, Ludwigsburg, Rems-Murr, Waiblingen und Heilbronn an das Bundeskriminalamt nach Wiesbaden geschickt und dort geprüft wurden. Giese spricht vom ‚modus operandi‘ und erklärt, wie der Mörder getickt haben muss. Denn dieser hat sich am 22. Oktober 1985 in Süditalien, wo er früher immer als Kind Urlaub gemacht hat, zusammen mit seinem jüngeren Sohn selbst das Leben genommen.

Klar wird aus Gieses Erzählungen, dass Polizeiarbeit aufwändig und akribisch ist. Deutlich wird auch, dass die Sicht auf Polizeiarbeit in der Bevölkerung durch verschiedenste Dinge oftmals verklärt oder im Gegenteil vernebelt ist. „Mit der Arbeit dieses Museums wollen wir das Miteinander zwischen Polizei und Stuttgarter Bevölkerung verbessern.“ Dass die Museumsführer es damit ernst meinen zeigt, dass es auch eine Themeninsel zum Schwarzen Donnerstag in Stuttgart gibt, als bei den Demonstrationen gegen Stuttgart 21 am 30. September 2010 mehr als 160 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, darunter Polizisten wie Demonstranten. Der Einsatz von Wasserwerfern hatte seinerzeit fatale Folgen. Ein extra Zimmer ist der Rolle der Stuttgarter Polizei gewidmet und deren dunkelstem Kapitel, nämlich ihrer Rolle während der NS-Zeit. Auch in dieser Zeit spielte das Hotel „Silber“ eine entscheidende Rolle, war es doch die Zentrale der Gestapo. Heute ist an diesem Ort eine Ausstellung zu sehen, die historisch-politisches Lernen möglich machen soll. Am Pragsattel hingegen geht es weitaus ‚kerniger‘ zu. Hier sind Seiten aus den gefälschten Hitler-Tagebüchern von Kujau zu sehen und durch das Guckloch seiner originalen Zellentür lässt sich ebenfalls linsen. Historische Film- und Tondokumente ergänzen alle Exponate. Erschütternd ist die Meldung des Polizisten zu hören, der zusehen musste, wie am 8. August 1989 ein Mann auf der Gaisburger Brücke mit einem Bajonett wild um sich stach, als er festgenommen werden sollte und dabei zwei Kollegen tötete sowie zwei weitere und ihn selbst schwer verletzte. Flapsig ließe sich über den Museumsbesuch sagen: „Crime im Kessel“, doch das Stuttgarter Polizeimuseum ist mehr. Eine Zeitreise durch 166 Jahren Polizeigeschichte mit originalen und originellen Zeitzeugen. Allerdings gehören schon ein bissle Nerven dazu, sich die zwei Hartschalenkoffer anzuschauen, mit denen 2014 die zerstückelten Leichen eines Mannes und einer Frau aus der Obdachlosenszene in den Schlossgarten transportiert worden sind. Als Täter wurde damals ein arbeitsloser 48jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt. Gut deshalb, dass Anwärter mindestens 16 Jahre alt sein müssen, wenn sie das Museum besuchen wollen. 

Gut oder Böse - diese Unterscheidung ist so alt wie die Menschheit , doch nur wir Menschen können diesen Unterschied tatsächlich feststellen. Im Polizeimuseum gewinnen wir davon einen sehr klaren Eindruck und erleben die Polizei als eine echt starke Truppe.