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12.06.19 - Kategorie: Neues von ZEIT FÜR MENSCHEN

Helden haben Humor


Visite der ROTE NASEN Clowns in Häusern der Samariterstiftung lässt den Alltag bunter werden 

Die Welt von Egon Schultze* ist klein geworden. Das Pflegebett, der Blick an die Decke seines Einzelzimmers und ab und zu, wenn es ihm besser geht, wenn er die Kraft hat, seine Augen zu öffnen, sieht er ein Stück vom blauen Himmel und die Spitzen grüner Bäume. Seit einem Schlaganfall ist er pflegebedürftig. Mittlerweile wird er palliativ versorgt. Der 88-Jährige, der früher so gern Musik gemacht hat und selbst Hauskonzerte gab, hat sich selbst verloren. Die Krankheit hat ihm viel genommen. Und doch: er ist in seiner Einsamkeit erreichbar. ROTE NASEN Clowns besuchen ihn und andere Bewohnerinnen und Bewohner seit kurzem im Seniorenzentrum am Parksee in Leonberg, ein Haus der Samariterstiftung, und demnächst vielleicht auch in den Häusern in Zuffenhausen und Nufringen. 

Humor ist der Regenschirm der Weisen (Erich Kästner) 

Clowns in der Pflege, in den Zimmern von demenziell erkrankten Menschen, zu Besuch bei Bewohnern einer Alteneinrichtung, die im Rollstuhl sitzen – wie geht das zusammen? „Wunderbar, denn Lachen ist Ausdruck von Leben. Für den einen Moment, in dem gelacht wird“, sagt Reinhard Horstkotte, künstlerischer Leiter bei ROTE NASEN e.V. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit der Kraft des Humors zu stärken und ihnen in schweren Zeiten neuen Mut und Lebensfreude zu schenken. Erfahrungen mit der Anwendung von Humor im Arbeitsalltag werden seit langem in der Psychotherapie gemacht. Den Weg in das Seniorenzentrum am Parksee in Leonberg findet er dank des Engagements Bosch BKK (Betriebkrankenkasse), die die Clownvisiten für ältere Menschen fördert und dafür einen Rahmenvertrag mit dem Verein ROTE NASEN unterzeichnet hat. 

Das freilich ist nur das strukturelle, das finanzielle Gerüst. Gefüllt ist das Projekt mit Leichtigkeit und Leben. Alle zwei Wochen besuchen „Konschtanze“ und „Babbi“, dienstags zwei Stationen im Haus am Parksee. Sie gehen von Zimmer zu Zimmer und sind niemals ein und dieselben. „Wir wissen nie, was uns erwartet, wenn wir die Tür öffnen“, sagt Konschtanze. Mit ihren weißen Spitzenpumphosen unter dem schillernden grünen Rock, ihrem roten Wams und roten Kringelzöpfen erinnert sie ein wenig an das tapfere Schneiderlein aus dem Grimm’sche Märchen. Schlagfertig wie das ist sie allemal. Reaktionsschnelligkeit, Improvisationstalent und eine große, wenn nicht gar übergroße Portion Einfühlungsvermögen, das braucht sie zusammen mit ihrer Clown-Kollegin. „Wir müssen uns aufeinander verlassen können“, versichert Konschtanze. Sie inszenieren Dialoge, sie spielen sich die Bälle zu und nehmen die Reaktionen, selbst wenn sie noch so klein sind, feinfühlig wahr. 

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