Die Verwandlung einer Telefonzelle – Fünf Jahre Bücherhäusle

Die Initiativgruppe „Leonberger Stiftung - Zeit für Menschen“ hat zum Jubiläum des Bücherhäusle in der Seestraße die ehemalige Telefonzelle geschmückt. In der Mitte der ehrenamtlichen Mitglieder Gisela Dittrich und die Quartierskoordinatorin Linda Haug.

„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seine Böden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken“, ist sich Hermann Hesse sicher. Doch nicht jeder kann sich neue Bücher kaufen. Gut, dass es seit fünf Jahren das "Bücherhäusle" in Leonberg beim Samariterstift gibt!

Doch das Häusle ist keine gediegene Bibliothek sondern ein ausrangiertes Telefonhäuschen. Nur ältere Generationen wissen noch genau was früher eine Telefonzelle war. Da standen an vielen Stellen im Stadtgebiet zwei Meter hohe Glashäuschen mit Metallrahmen; innen war ein Kasten angebracht, an dem seitlich ein Telefonhörer mit Kabel hing. Münzfernsprecher hieß diese Einrichtung. Durch Einwurf von Kleingeld konnten Orts- oder Ferngespräche geführt werden. Diese Telefonhäuschen waren gelb angestrichen (wie heute noch die Briefkästen). Mit der Privatisierung des ehemaligen Staatsbetriebes Deutsche Bundespost 1992 und dessen Aufteilung in die Unternehmen Deutsche Post AG, Deutsche Telekom AG und Postbank erhielten die Telefonzellen dann eine hellgraue Farbe und das Telekom-Logo. Mit dem Aufkommen der schnurlosen Telefone und der Internet-Telefonie verschwanden sie ganz aus dem Straßenbild und kamen meist gleich zur Verschrottung.

Ein Leonberger Ehepaar erfuhr 2015 von Bekannten, dass diese zufällig in Waldenbuch eine alte Telefonzelle entdeckt hatten, die man mit einem Regal zu einer kostenfreien Leihbücherei umfunktioniert hatte. Gisela und Heinz Dittrich fanden die Idee so gut, dass sie die ehrenamtlichen Mitglieder der neu gegründeten Initiativgruppe „Zeit für Menschen – Wohnviertel am Blosenberg“ überzeugen konnten, auch für das Gebiet zwischen Seestraße und Römerstraße diese Einrichtung zum Büchertausch zu schaffen. Von der Idee zur Umsetzung waren es nur wenige Monate: mit Hilfe von Andreas Schlegel von der Samariterstiftung konnte eine noch gut erhaltene Telefonzelle für etwa 450 Euro von der Telekom erworben werden, ein kleines Rasenstück nahe dem Haupteingang der Samariterstiftung in der Seestraße 74 wurde kostenfrei von der Stiftung zur Verfügung gestellt und planiert. Und den Transport der Zelle von Berlin nach Leonberg übernahm ein Sponsor. Mit einem Ikea-Regal ausstaffiert, wurde das erste Leonberger Bücherhäusle am 5. September 2015 eingeweiht. Was ehrenamtliches Engagement alles bewirken kann!

Es ist erstaunlich, wieviel Bücher seitdem wöchentlich anonym ins Bücherhäusle gebracht werden und wie schnell sie Ausleiher/innen finden. Die Bandbreite der eingestellten Literatur reicht inzwischen von einer Klassik-Ausgabe der Werke von Adelbert von Chamissi aus 1899 bis zu aktuellen Krimis von Mankell. Auch Kinderbücher und überholte Reiseführer aus früheren Urlaubsreisen sind zu entdecken. Gelegentlich finden ausgeliehene Bände nicht mehr den Weg zurück, sondern haben im heimischen Bücherschrank eine neue Heimat gefunden. Das wird verschmerzt. Das Bücherhäusle sieht allerdings auch verschmutzte, eingerissene oder beschriftete Exemplare, sowie unangebrachte Werbeschriften oder alte Handys. Solche „Gaben“ dann einer anderweitigen Verwertung zuzuführen, ist heute eine der Aufgaben des Ehepaars Dittrich bei der Betreuung „ihres“ Bücherhäusles. Aus Anlass des fünfjährigen Bestehens bedankt sich die Initiativgruppe bei beiden für das fortwährende freiwillige Engagement und natürlich bei allen Tauschenden, Interessierten und Bücherwürmern, die mit ihren Gaben das Bücherhäusle zu einer bekannten Anlaufstelle machen.
Alle Bewohner/innen des Wohngebiets sind herzlich eingeladen, sich einmal zur Buchausleihe oder als Buchspender/innen beim Bücherhäusle an der Seestraße 74 zu treffen!

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