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23.03.17 - Kategorie: Neues von ZEIT FÜR MENSCHEN

Hauptsache sozial: Jugendliche sind oft bereit für soziales Engagement

Samariterstiftung setzt auf Soziales Lernen als strategisches Instrument


Jetzt steht fest: die Samariterstiftung wird sich gemäß allgemeingültiger Standards in Zukunft den Jugendlichen als kompetenter Partner für Soziales Lernen präsentieren. Das hat ein Fachtag zum Thema jüngst ergeben. Dabei ist es nicht neu, dass sich die diakonische Stiftung als einer der großen sozialen Dienstleister in Württemberg um Partnerschaften, Kooperationen und Projekten mit Schulen kümmert. Neu aber ist, dass sich jetzt alle Häuser der Stiftung darauf geeinigt haben, dies künftig nach gemeinsamen Richtlinien zu tun. Seit geraumer Zeit treibt die Stiftung das Thema an. In Arbeitsgruppen, besetzt mit Jugendlichen, Fachkräften und externen Experten ist erarbeitet worden, was die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren umtreibt und vor allem, wie sie gezielt und zielgruppenspezifisch für Soziales Engagement und soziale Berufe angesprochen beziehungsweise dafür gewonnen werden können.  

Für dieses Bemühen gibt es klare Fakten: So hat der baden-württembergische Industrie- und Handelskammertag bis zum Jahr 2030 über alle Branchen hinweg einen flächendeckenden Fachkräftemangel von 9,1 Prozent bezogen auf die Fachkräftenachfrage prognostiziert. Die wichtigste Ressource in Deutschland, die Jugend, scheint also für die Fachkräfteausbildung nicht gewonnen werden zu können. Was ist zu tun? Wie können junge Menschen zur Fachausbildung animiert und aktiviert werden? 

Ein erster Ansatz ist der neue Bildungsplan im Land. Die Berufsorientierung wird darin in allen Fächern und Altersstufen eine größere Rolle spielen. Allerdings fällt gleichzeitig das verpflichtende Soziale Lernen in den Realschulen weg. Außer in dem neuen Wahlfach Alltagskultur, Ernährung und Soziales (AES) wird es Aufgabe der Sozialträger sein, mit den Schulen die Durchführung von Sozialem Lernen und Berufsorientierung im jeweiligen Schulalltag zu verankern. Fakt ist, dass die Realschulen nicht mehr verpflichtend zum sozialen Lernen aufrufen, sondern die sozialen Einrichtungen bemüht sein müssen, professionelle, ansprechende und emotional wirksame Erfahrungsräume und Projekte anzubieten. 

„Aber wir haben beobachtet, dass es eine große Hemmschwelle gibt, ein Pflegeheim zu betreten“, berichtete eine der Teilnehmerinnen beim Fachtag „Jugendliche begeistern, begleiten und behalten – Soziales Lernen in der Samariterstiftung“. Gabriele Blum-Eisenhardt, Fachreferentin für bürgerschaftliches Engagement und Soziales Lernen in der Samariterstiftung erzählte, dass es in den Jahren 2009 bis 2011 innerhalb der Stiftung in vier Häusern zur Aufstockung von Personal gekommen sei. „Damit die Schülerinnen und Schüler, die zu uns kommen, kompetent betreut und begleitet werden können.“ Das Thema sei der Samariterstiftung immens wichtig.

Damit alle Vertreterinnen und Vertreter der großen Häuser sowie der Kleinheime der Samariterstiftung künftig über gemeinsame Standards sprechen, wenn es um Soziales Lernen geht, stellte Thomas Steigmiller von der Landesdiakonie die Ergebnisse der Sinus Jugendstudie als Grundlage für weitere Überlegungen für passgenaues Jugendmarketing vor. Nach der Studie lassen sich Auszubildende, Schülerinnen und Schüler dann auf neue und ungewohnte Situationen ein, wenn sie in ihrer Lebenswelt angesprochen werden. Je nach dem Milieu, in welchem sie aufwachsen, sind die Zugänge verschieden. Allen gemein ist, dass sie nicht nur in einem Praktikum „mitlaufen“ wollen, sondern bereit sind, mitzugestalten. Sie wollen selbst wirksam sein können. Deshalb kann ein Praktikum nicht einfach bloß angeboten werden. Die Verantwortlichen stehen vor der Herausforderung, genau hinsehen zu müssen, was der einzelne Schüler mitbringt und was er in welchem Rahmen braucht.

Steigmiller beschrieb, dass es weiterhin drei zentrale Grundorientierungen im Wertespektrum der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren gibt: traditionell, modern und postmodern. Dabei stehe die traditionelle Grundorientierung für Werte, die sich an „Sicherheit und Orientierung“ ausrichteten. Die Wertehaltung Jugendlicher folge heute weniger einer „Entweder-oder-Logik“ als vielmehr einer „Sowohl-als-auch-Logik“. Charakteristisch sei eine Gleichzeitigkeit von auf den ersten Blick nur schwer zu vereinbarenden Werthaltungen. Steigmillers Fazit, nach den kurzen Vorstellungen: „Die eine Jugend gibt es nicht. Jugendliche leben in völlig verschiedenen Lebenswelten. Dort müssen sie abgeholt werden.“ Reinhard Gradmann, Geschäftsführer der Stiftung Zeit für Menschen, die sich das Soziale Lernen ganz groß auf ihre Fahne geschrieben hat, formulierte es so: „Wenn wir Jugendliche zu etwas bewegen wollen, dann müssen wir wissen, was sie bewegt.“ 

Deshalb treibe die Stiftung Zeit für Menschen auch immer wieder Projekte an, die zwar vordergründig wenig mit den einzelnen Häusern der Samariterstiftung zu tun haben, die jedoch in der ein oder anderen Lebenswelt der Jugendlichen eine große Rolle spielen. „Wir tun dies mit dem Ziel, die soziale Frage in die Köpfe der Gesellschaft zu bekommen.“ Die anwesenden Vertreter der verschiedenen Häuser verständigten sich im Anschluss über die wichtigsten Kriterien, die Voraussetzung sind, um Soziales Lernen professionell und zielgerichtet in den Einrichtungen durchführen zu können. Dabei wurde unterschieden nach Kriterien, die die Jugendlichen erfüllen sollen und solche, die in den sozialen Einrichtungen und in der Schule in Zukunft vorausgesetzt werden sollen. Als wichtige Voraussetzung für gelingende Sozialprojekte wurde eine gute thematische Vorbereitung in der Schule, sowie das Erleben von Selbstwirksamkeit und emotionalen Erfahrungen im Umgang mit den Menschen genannt. Erleichternd wirke da eine gemeinsame Verständigung auf einen Kooperationsvertrag zwischen der Einrichtung und der Schule. Die Umsetzung dieser Standards wird im Lauf dieses Jahres in den Einrichtungen der Samariterstiftung und ihren Kooperationsschulen besprochen und konkretisiert. Sie sollen zudem in den Führungsgremien der Stiftung weiter diskutiert werden, damit sie noch in diesem Jahr verbindlich werden können.