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10.07.17 - Kategorie: Neues von ZEIT FÜR MENSCHEN

Rückenwind für das Bürgerhaus Krone

Aktion Mensch fördert das inklusive Projekt in Oberensingen – Bürgerausschuss in Besetzung von Personalstelle eingebunden


Das Projekt Bürgerhaus Krone in Oberensingen hat weiteren Rückenwind bekommen. Als künftige inklusive Begegnungsstätte fördert auch die „Aktion Mensch“ die Initiative von Samariterstiftung, Oberensinger Bürgerausschuss und örtlichen Vereinen und Institutionen, und zwar mit einem höchst ansehnlichen Betrag von insgesamt rund 120 000 Euro. 

Die ehemalige Gaststätte im Zentrum des Nürtinger Ortsteils ist im Besitz der Stadt. Der Gaststättenbetrieb musste wegen gastgewerblicher Vorschriften aufgegeben werden und ob sich Investitionen in diese Richtung gelohnt hätten ist mehr als unsicher. Doch ein Leerstand auf Dauer ist auch keine Lösung, und die boten nun einige Engagierte an. Die Räumlichkeiten sollen zu einer Begegnungsstätte umgebaut werden, von der möglichst viele in Oberensingen profitieren. 

Treibende Kraft zu Beginn der Idee war Wolfgang Bleher, Regionalleiter der Samariterstiftung, die im nahe gelegenen Oberensinger Schlössle eine Tagesklinik und Wohnplätze für Menschen mit psychischer Erkrankung betreibt. „Wir waren auf der Suche nach Räumen für unsere tagesstrukturierenden Angebote, wie zum Beispiel kreative Betätigungen“, so Bleher. Aber auch Kontakte seiner Klientel in den Sozialraum hinein sind ihm und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig. Außerdem war klar, dass für eine Institution allein das Raumangebot zu groß ist. 

Bei Jürgen Geissler, dem Sprecher des Oberensinger Bürgerausschusses, stieß Bleher auf offene Ohren. Eine Geschäftsstelle, gemeinsam genutzt von Oberensinger Vereinen, könnte die „Krone“ beleben, so Geislers Ansinnen. Außerdem bietet sich der Gastraum als Proben- und Veranstaltungsraum an, schnell waren weitere Vereinsvertreter begeistert. 

Im Bürgerausschuss wurde der Arbeitskreis Krone gebildet, bei dem die Fäden seitdem zusammenlaufen. Mit dabei sind mittlerweile auch die TSV Oberensingen, der Liederkranz und der Arbeitskreis Asyl. Das Gebäude soll allen offenstehen, Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen aller Nationalitäten. „Wir wollen Begegnungen ermöglichen“, sagen die Initiatoren. Ausdrücklich gewünscht sind auch Interessierte, die in den Räumen Angebote für die Öffentlichkeit machen wollen, sei es regelmäßig oder auch nur punktuell. Bei einer Ideen-Werkstatt, zu der Anfang letzten Jahres öffentlich eingeladen worden war, kam dazu schon einiges zusammen.

Für die Umbauarbeiten braucht es neben der vorgesehenen Eigenleistung aber auch einen Grundstock an Kapital. So freute sich die Initiative bereits über rund 30 000 Euro an Spendengeldern darunter 17 000 Euro aus „Licht der Hoffnung“, der Weihnachtsaktion unserer Zeitung. Auch regionale Geldinstitute und nicht zuletzt die Oberensinger Handwerkerschaft engagierten sich. 

Erste Arbeiten sind bereits erledigt, so Bleher. Eine Trennwand wurde herausgerissen, der entstandene Raum hat seine Feuertaufe als kleiner Konzertsaal schon hinter sich. Ein Liedermacher-Trio begeisterte im März dieses Jahres. Im Rahmen der Stiftung „Zeit für Menschen“ bringen sie selbst unentgeltlich bei einigen Auftritten pro Jahr Zeit ein, um mit dem Erlös soziale Projekte zu unterstützen. Für die „Krone“ kamen 1250 Euro zusammen. 

Die Arbeiten dieses Jahr werden mit der Sanierung der Bodenbeläge fortgesetzt, zuvorderst steht jedoch ein barrierefreier Zugang an, das forden viele Förderprogramme für inklusive Projekte und das fordern auch die Initiatoren des Projekts von sich selbst. Der alte Zugang über das Gebäudeeck ist zwar markant, jedoch kaum als barrierefrei umzurüsten. Deshalb soll eines der Fenster auf der Gebäudeseite, die auf die Friedrich-Glück-Schule zuläuft, zu einem neuen Eingang erweitert werden, der über eine flache Rampe erschlossen wird. „Das Eck der ehemaligen Türe wird für eine kleine Bühne in einem Veranstaltungsraum mit gut 80 Sitzplätzen genutzt“, gibt Bleher einen Einblick in die Pläne. 

Büro für Vereine und Initiativen 

Die ehemalige Küche soll zum Bürgerbüro umgebaut werden, in dem Vereine und Institutionen gemeinsam Bürogerätschaften nutzen können. Auch das Vereinszimmer, das die Friedrich-Glück-Halle mit der „Krone“ verbindet, steht zur Verfügung. Was dann noch anstünde, wäre eine innere Barrierefreiheit zum Sanitärbereich, der bislang zum Beispiel für Rollstuhlfahrer nur über einen Umweg zu erreichen ist. „Das könnte mit einem kleinen Lift geschehen, doch das ist eine Kostenfrage“, so Bleher. Da kam gestern die Förderzusage von „Aktion Mensch“ über 10 000 Euro für Umbaumaßnahmen gerade recht, auch wenn das Geld noch für andere Maßnahmen gebraucht wird. 

Eine weitere, erhebliche Förderung von „Aktion Mensch“ liegt seit einigen Wochen vor. Damit die „Krone“ dauerhaft mit Leben erfüllt werde, brauche es zumindest für die Anfangszeit mehr und regelmäßige Begleitung, so Bleher. Dafür gab es 40 000 Euro aus dem Förderprogramm „Impulse Inklusion“ des baden-württembergischen Sozialministeriums für eine halbe Personalstelle. Das Programm ist ausgelaufen, doch „Aktion Mensch“ sprang nun mit 110 000 Euro für die nächsten drei Jahre ein.

Voraussetzung für die Förderung durch „Aktion Mensch“ war jedoch ein Signal der Nachhaltigkeit, weshalb die kostenfreie Nutzung, die von der Stadt gewährt wird, von fünf auf zehn Jahre verlängert wurde. Dafür votierte der Gemeinderat vor Kurzem einstimmig und ohne Debatte. 

Am Montag tagte der Oberensinger Bürgerausschuss, wo man sich über die weiteren Förderungen freute. Zur Besetzung der Personalstelle wurde ein kleiner Ausschuss gebildet, ebenso ein Bauausschuss, um die weiteren Arbeiten zu koordinieren. „Alle gehen mit ungebrochenem Elan zu Werke, weitere Mitstreiter sind jederzeit willkommen“, freut sich Bleher über den zusätzlichen Schwung, den das Projekt bekommen hat.