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24.11.14 - Kategorie: Neues von ZEIT FÜR MENSCHEN

Engagement lässt das Quartier lebendig werden

Fachtag der BELA4 Einrichtungen im Landkreis Esslingen mit neuen Akzenten


„Zukunft in der Altenpflege wird nur gewonnen, wenn es eine sorgende Gemeinschaft gibt“, sagte Gabriele Beck von der Leitstelle für Ältere der Stadt Ostfildern zur Begrüßung der Teilnehmer des Fachtages der BELA Einrichtungen im Landkreis Esslingen. 

Hinter der Abkürzung BELA verbirgt sich ausgeschrieben: Bürgerschaftliches Engagement für Lebensqualität im Alter und gemeint ist, eine Kooperation von ehrenamtlich Engagierten aus der Nachbarschaft mit einem Pflegeheim, zumeist in unmittelbarer Umgebung. Der Praxisverbund BELA 4 im Landkreis Esslingen ist ein äußerst aktiver Verbund. Mehr als die Hälfte aller Pflegeeinrichtungen im Landkreis haben sich BELA angeschlossen. Dahinter steckt die Idee, dass gemeinsame Kräfte auch Großes bewegen können. 

Bereits 2011 ist das damalige BELA-Programm ausgelaufen. Im Landkreis Esslingen wollten Engagierte trotzdem weiter machen, denn ihnen erschien die Kooperation der Pflegeheime erfolgversprechend. Dass jetzt, drei Jahre später, ein Fachtag ins Leben gerufen werden konnte, gibt ihnen recht. „Pflegeheime im Quartier“, lautete der Titel der Veranstaltung zu der über 70 Teilnehmende vieler verschiedener Träger im Landkreis gekommen waren. Gemeinsam wollten sie sich den Fragen stellen, was auf die Häuser der Altenpflege in Zukunft zukommt. Dabei hat der Tag gezeigt, es hat mehr Fragen und Überlegungen gegeben, als fertige Antworten. „Die erwarten wir auch nicht“, sagte Rainer Wirth, von den Esslinger Pflegeheimen, der gemeinsam mit Gabriele Blum-Eisenhardt, zuständig bei der Samariterstiftung für Bürgerengagement und soziales Lernen, den Fachtag organisiert hatte. Nein, um Antworten ging es nicht. Der Tag hat ein Schlaglicht auf den Status quo der Alteneinrichtungen geworfen, und gezeigt, dass der Weg in die Zukunft raus aus dem Haus und rein ins Quartier führt. „Lebensqualität durch bürgerschaftliches Engagement ist ein Qualitätsmerkmal für gute Pflege“, sagte Agnes Christner, Bürgermeisterin in Heilbronn. 

Dort wird derzeit gewissermaßen auf dem Reißbrett ein ganz neues Quartier gestaltet. Christner gab zu bedenken, dass es immer wieder bewusster Aufforderungen bedürfe, damit bei der Planung die Bedürfnisse von Menschen im Alter und mit Behinderungen Berücksichtigung fänden. Für sie ist es das Minimum, dass bei solchen Vorhaben wenigstens barrierefrei geplant wird. Christine Sowinsiki, vom Kuratorium Deutsche Altershilfe, zeigte nochmals auf, dass sich die Altenhilfe in der unmittelbaren Vergangenheit doch deutlich verändert hat. Jetzt stünde die 5. Generation an. Das heiße, das Haus öffne sich ins Gemeinwesen. Lebendig schilderte sie, wie durch diese Öffnung Genuss und Lebensfreude auch bei Pflegebedürftigkeit und Demenz erfahrbar werden können. 

Eine solche Öffnung verlange ein Mehr an bürgerschaftlichem Engagement mit besseren Rahmenbedingungen seitens der Politik, meinte sie. Außerdem müsse die Frage erlaubt sein, was die Engagierten selbst für einen Nutzen aus ihren Aktivitäten ziehen. Dazu konnten Andreas Schlegel und Britta Eichler, beide Samariterstiftung klare Antworten geben. Schlegel, bei der Samariterstiftung zuständig für die Quartierentwicklung meinte: „Das ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen.“ Eichler, Koordinatorin für die Initiative PAULA in Pfullingen, was für Pfullinger Alltagsunterstützung für das Leben im Alter und bei Behinderung steht, erzählte von bereichernden Begegnungen zwischen Menschen aus dem Haus und Menschen aus der näheren Umgebung. „Es gehört zum Selbstverständnis einer älter werdenden Gesellschaft, dass jeder etwas tut“, sagte Herbert Rösch, ehemaliger Oberbürgermeister von Ostfildern. Die Nachbarschaft sei verlernt worden und die Kommune müsse eine Atmosphäre schaffen, in der Nachbarschaft wieder gelernt werde, dazu brauche es langfristig kommunale Quartiersmanager, meinte der ehemalige Oberbürgermeister, der sich vielfältig ehrenamtlich engagiert. 

Auch in Kirchheim sind mit Quartiersarbeit beste praktische Erfahrungen gemacht worden. Wenn sich das Haus öffnet, entstehen neue Begegnungswelten, auch für unsere Bewohnerinnen und Bewohner“, sagte Simon Unrath von der Paul-Wilhelm von Keppler-Stiftung in Kirchheim. Er führt dort das Haus Sankt Hedwig. Alle praktischen Fallbeispiele setzen nachdrücklich darauf, dass es eine zuständige Fachkraft, mancherorts ist das eine Quartiersmanagementbeauftragte, geben muss. 

Das Interesse der Bürgerinnen und Bürger muss kanalisiert und in der ehrenamtlichen Tätigkeit gut begleitet werden. Das ist eine der Voraussetzungen dafür, dass das Miteinander zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen gut gelingt. „Natürlich sollen Ehrenamtliche keine Lückenbüßer des Systems sein“, sagte Agnes Christner, „doch angesichts der vielen Herausforderungen, bin ich mir nicht sicher, wie lange wir alle diesem Anspruch Folge leisten können.“ So wie diese Frage standen einige an diesem Tag im Raum. „Aber es ist gut zu wissen, dass sich auch andere Träger mit denselben Ideen beschäftigen“, sagte eine der Teilnehmerinnen, „und es ist wichtig, von Erfolgsgeschichten zu hören.“ Der Fachtag hat Zukunftsperspektiven aus Sicht der Politik, der Altenhilfe und der aktiven Bürgergesellschaft aufgezeigt, er hat gezeigt, dass Quartiersarbeit ein zukunftsweisender Ansatz ist.