Schüler im Social Business

Ran an die Maus! Eine Schülerfirma der Walter-Erbe-Realschule in Tübingen führt in Computerwelt ein.

Kein Platz mehr frei! Die Begegnungsstätte des Bürgervereins im Samariterstift im Mühlenviertel ist pickepacke voll gewesen, als die Firma „Schüler helfen Senioren“, den „Kaffeeklatsch.de“ eröffnet hat. Klar, Kaffee und Kuchen gibt es überall, hier gibt’s aber noch mehr. Alles Wissenswerte um Maus, Megabits und Mikrochips. 

„Kaffeklatsch.de“ ist ein Internetcafé, das künftig zweimal im Monat dienstags seine Türen öffnet. Dank des unermüdlichen Einsatzes des Bürgervereins Derendingen und einer langen Liste weiterer Spender und Gönner ist es der Schülerfirma der Walter-Erbe-Realschule möglich geworden, das an allen sechs Tischen genug Laptops stehen, die alle mit einem mobilen IT-Wagen vernetzt sind. So können die wissbegierigen Senioren munter drauf los chatten, mailen, scannen, posten - eben alles, was die Internetwelt so hergibt. 

„Ich möchte meine Bilder bearbeiten lernen“, sagt eine betagte Dame. „Ich möchte mit meinem Enkel skypen“, erklärt ein anderer. Ein Schüler in leuchtendblauem Firmen-T-Shirt setzen sich an die Tische und erklären geduldig. 

Acht-, Neunt- und Zehntklässler haben sich in der Schülerfirma zusammengefunden, die wie jedes Unternehmen über eine vernünftige Geschäftsstruktur verfügt. Es gibt die Geschäftsführung, die Marketing- und Personalabteilung. Sie haben ein eigenes Logo für ihr Projekt „Internetcafé“ entwickelt und eigene Flyer entworfen. Es gibt Kundenverträge, die mit den Senioren geschlossen werden und verbindliche Sprechzeiten für die Kunden. Ein florierendes Geschäft. 

Mit dem Projekt verbinden sich mehrere Aspekte. Erstens müssen die Achtklässler nach dem Lehrplan ein soziales Projekt abwickeln und zweitens müssen sich die Realschüler gemäß Bildungsauftrag beruflich orientieren. Ihre Arbeit im und für das Internetcafé zeigt ihnen beides, wie bürgerschaftliches Engagement funktioniert und was es für tolle Ergebnisse bringt und zudem, wie das Geschäftsleben abzuwickeln ist. 

Übrigens geschieht die gesamte Projektarbeit freiwillig, nach der offiziellen Schule. „Da sage noch einer, die Jugend von heute sei träge und lustlos“, hat Oberbürgermeister Boris Palmer, der die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat, eingeworfen. Er ist bei der Eröffnung des Internetcafés aber nicht der einzige Prominente gewesen. Die Samariterstiftung als Hausherr des Cafés schickte die Hausleitung des Samariterstifts im Mühlenviertel, Susanne Gilde und sogar der Vorstandsvorsitzende Pfarrer Frank Wößner kam. „ „Hier kann man in idealer Weise voneinander lernen und sich füreinander einsetzen“, lobte Wößner. Das Internetcafé sei eine tolle Chance für echte Beziehungsarbeit, vor allem auch dann, wenn im Alter allmählich die vertrauten Kontakte zur Außenwelt verloren gingen. „Wohlerzogene junge Leute“ treffe man hier im Café. 

Den Schülerinnen und Schülern war der Stolz anzumerken, es geschafft zu haben. Mehrere Monate haben sie sich ohne Unterlass mit dem Projekt beschäftigt. Unterstützt von ihrer engagierten Lehrerin und Mentorin Eva Pfeffer haben sie jeden Augenblick dafür genutzt. Sie haben sich ein ansprechendes Programm, liebevolle Gastgeschenke und vieles mehr überlegt. Jede Minute an diesem Eröffnungsnachmittag ließ spüren: hier geht es um mehr als nur um das Spiel mit der Maus. Hier trägt der Computer zur Herzensbildung bei.